Stünde noch die Ruine der alten Grafenburg auf dem Aichelberg…

so könnte sich jeder die eigentümliche Lage des Ortes erklären.

Vermutlich waren Handwerker, die um das Jahr 1200 beim Bau der Grafenburg beschäftigt waren, die Begründer des Ortes. Möglich war die Dorfgründung vermutlich erst durch die zahlreichen Quellen, die in Höhe des Dorfes um den Berg noch heute vorhanden sind.

Die Grafen von Aichelberg - erstmals um das Jahr 1210 nachweisbar - waren von hoher Abstammung und hatten im 13. Jahrhundert eine selbstständige Grafschaft von beträchtlichem Umfang, die jedoch um das Jahr 1350 in den Besitz der Grafen von Württemberg überging. Eine nahezu restlose Zerstörung des Ortes erfolgte im Jahr 1519, als Soldaten des "Schwäbischen Bundes" 13 Häuser nieder brannten und sechs Jahre später, also 1525, die Burg auf dem Aichelberg im Bauernkrieg geplündert und zerstört wurde. Als man im Sommer 1596 mit dem Bau des Boller Schwefelbades begann, verwendete man dort zu einem großen Teil die Steine der zerstörten Burg.

Aus den "Beiträgen" zur Geschichte der Stadt Kirchheim und Umgebung von Pfandcommisär Rieker aus dem Jahr 1833 wird über Aichelberg, das bis zum Jahr 1938 dem damaligen Oberamt Kirchheim/Teck zugeordnet war, folgendes berichtet: "Der Weiler Aichelberg mit 300 Einwohnern liegt am Fuße des Aichelberg in einem Halbzirkel um den Berg herum und hat eine äußerst reizvolle Lage. Die Einwohner sind eine der Wohlhabendsten im hiesigen Oberamte und es ist dies vielleicht der einzige Ort im ganzen Vaterlande, von dem aktenmäßig nachgewiesen werden kann, dass sich in hundert Jahren kein Bettler oder Gantmann darin befunden hat."

Mit Wirkung vom 19. Mai 1876 wurde die Teilgemeinde Aichelberg von der Gesamtgemeinde Zell u.A. getrennt und zu einer selbständigen Gemeinde erhoben. Das Hauptanliegen für die nun neue Gemeinde war der Bau eines Schul- und Rathauses mit dem damaligen Kostenaufwand von 24.000 Reichsmark.

Von großer Bedeutung für die Gemeinde Aichelberg war der Bau der "Neuen Steige" im Jahr 1898, ausgeführt von dem italienischen Bauunternehmer Hettarazi mit einem auf die Gemeinde entfallenden Kostenanteil von 18.000,-- Reichsmark.

Die Wasserversorgung für die örtliche Bevölkerung erfolgte bis zum Jahre 1935 durch verschiedene Brunnen, vor allem aus dem "immer laufenden Brunnen" beim Rathaus. Im oberen Ortsteil von Aichelberg sollen bis zum Jahr 1956 noch 23 Brunnen vorhanden gewesen sein, die von den so genannten "Bergquellen" gespeist wurden. Ab dem Jahr 1935 erfolgte die Wasserversorgung der Gemeinde Aichelberg über eine Quellfassung im Waldteil "Sitery" mit einem Pumpwerk und ab dem Jahr 1948 über den Wasserbezug von der Kornberg- und Blau-Lauter-Gruppe mit einem Bezugsrecht von 3,1 l/s.

In der langen Geschichte des Dorfes Aichelberg gibt es wohl kein Ereignis, das so sehr in die Entwicklung des Ortes eingegriffen hat, wie der Bau der Reichsautobahn in den Jahren 1936 bis 1938. Sie zerschneidet die Gemarkung auf einer Gesamtlänge von 5,3 km. Dieser wichtige europäische Verkehrsweg mit dem 940 m langen Viadukt hat nicht nur tief greifende Veränderungen in der Landschaft und auch der Landwirtschaft hervorgerufen, sondern auch die Entwicklung der Gemeinde bis auf den heutigen Tag nachhaltig beeinflusst. Das hat sich auch durch den neuen "Aichelberg-Autobahnalbaufstieg", gebaut 1986 - 1990, nicht geändert.

Der lang gehegte Wunsch der Aichelberger Bürger, den evangelischen Gottesdienst in einem kirchlichen Raum abzuhalten, ging mit dem Bau der "Christuskirche" in den Jahren 1958/59 in Erfüllung.

Seit 1988 steht den Einwohnern ein schönes Feuerwehr- und Bürgerhaus zur Verfügung. Bei vielen Veranstaltungen können sich die Besucher an dem im Bürgerhaus vorhandenen großen Vereinsraum erfreuen.

Die Gemeindevertretung strebt eine maßvolle Entwicklung an. Der landschaftlich reizvolle Ort am Albaufstieg soll nicht beeinträchtigt werden. Auch künftig sollen sich die Aichelberger in ihrem Ort wohl fühlen können.